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Bei den Mennoniten

Ich stieß einen Tag später zu unserer Gruppe (da ich direkt von meiner Ushuaia-Reise kam). Zu meiner Freude waren auch Ursel und Hans-Peter (die Traunsteiner aus Villa General Belgrano), zusammen mit einer ganz schnellentschlossenen Schweizerin (Sylvie) schon im „Luxushotel“ in Guatraché eingetroffen. Nach dem Frühstück (ein Medialuna, Pfirisich-Marmelade, so etwas wie Zwieback und eine Tasse Kaffee – alles genau abgezählt) gings los! Gekleidet in lange Röcke, mit Kopftüchern oder Hüten ausgerüstet, und vor allem stabile Schuhe, die auch Staub- und Sandstraßen überleben. Die letzten 15 km waren eine Prüfung für die Luftfilter unserer Autos - die Pferde der Mennos scheinen daran gewöhnt zu sein. Und ihre kleinen Kutschen laufen offenbar auf „Versink-Staub“ sehr bequem.

 

Ich durfte mit Ursel losziehen und da sie ja schon ein paar Mal in dieser Kolonie predigen war, konnte ich mir viel von ihr abschauen!

So wirds gemacht: Wir gingen ganz langsam die Auffahrt zu einem Haus entlang und blieben dann am Tor zum eigentlichen Hof stehen. Hier warteten wir einmal, was sich tat. Langsam zeigten sich 3-4 (oder 5?) neugierige Kinderköpfe. Wir winkten und blieben stehen, bis sie und dann auch die Mutter von sich aus näher kamen und fragten, was wir denn wollten. Ursel sagte „gua tooch!“, unterhielt sich etwas über die Kinder, die Blumen, die Ernte und die derzeitige Trockenheit … dann lenkte sie auf den Herrgott über, und ob sie denn wüssten, was dem Herrgott sein „Noom“ sei? Gemeinsam beriet man sich, denn so ganz verstanden sie unsere Frage nicht, dann überlegten sie, was denn die Antwort sein könnte. „Dos wissen wir net“, hiess es dann. Ursel fragte, ob sie den das „Gesangbuch“ hätten? - „Jo, das haben wir…“ - ob wir es denn sehen könnten, wir würden es soo gern einmal sehen, und auch die Bibel! - „Jo, das könnt ihr…“ und dann schickte die Mutter die älteste Tochter los. Der Vater gesellte sich inzwischen auch zu uns und meinte dann, er müsse noch viel arbeiten, aber seine Frau dürfe sich weiter mit uns unterhalten. (Diese Erlaubnis war etwas ganz Besonderes).

Inzwischen war das Gesangbuch (in gotischer Schrift) da und tatsächlich beginnt das Lied Nr. 560 mit „Jehova“, so konnten wir ihnen den Namen Gottes zeigen. Leider fand sich in ihrer Luther-Bibel nirgends der Name Gottes und es gab auch keinen Anhang und keine Fußnoten… Aber sie hätten ja noch 3 andere Bibeln und sie würden das später in den anderen nachsuchen. Wir fragten dann, ob sie wüssten, wie denn der Sohn vom Herrgott heisse – es gab wieder eine Diskussion untereinander und dann die Antwort: „des wissen wir net“ … wir halfen ihnen etwas auf die Sprünge und dann kam es ihnen doch, dass das „Jeeisus“ sein könnte. Obwohl sie offenbar wirklich Schwierigkeiten hatten, uns zu verstehen und leider auch recht wortkarg sind (so kann man ihre Sprechweise nicht gut nachmachen) freuten sie sich über das Gespräch mit uns! Nachdem wir ihnen noch eine Broschüre (mit vielen schönen Bildern) daließen, machten wir uns auf den Weg zum nächsten Hof...

Wir zählten schön brav die Häuser mit (denn Straßennamen und Hausnummern gibt es hier nicht und wir wollten doch unsere Rückbesuche auch wieder finden)

In einem Hof durften wir uns ansehen, wie hier gewaschen wird. Es gibt Waschmaschinen (der Strom wird vom Generator des Sohnes am Nebenhof bezogen), die von oben befüllbar sind. Der Deckel ist abmontiert und so kann man in die gleiche (kalte) Lauge immer wieder schmutzige Kleidung reinwerfen, diese, wenn sie "gewaschen" ist, rausholen, schleudern und aufhängen...

Bevor wir weitergingen, schenkte uns die Hausfrau noch zwei selbstgebackene Brezeln...

Ausgerüstet mit viel Trinkwasser und den Schatten jedes Baumes ausnützend, verging die Zeit viel zu schnell.

Die Mittagshitze verbrachten wir in der Scheune des Mennonitenladens, die Siesta unter einer Pinie(?), dann noch Ansprechdienst am „Parkplatz“ (während die Männer die Waren holten, warteten die Frauen und Kinder in den offenen Kutschen). Um 15.30 gings dann nochmals los. Ein Mann (ca. 40 Jahre - "Schullehrer"), stellte viele persönliche Fragen, wie:

  • Wie zeigt ihr, dass ihr getrennt von der Welt lebt?
  • Leben wir in den letzten Tagen?
  • Verhütet ihr?
  • (Frage an meine Partnerin Warum hast du nur 2 Kinder?
  • Darf man Handy, Radio und Fernsehen verwenden?
  • Was bedeutet die Zahl 666 aus der Offenbarung?

Wir konnten die Fragen mit Hilfe der Bibel beantworten – diesmal mussten jedoch wir uns beraten, was die richtige Antwort ist - und er wurde sehr nachdenklich!

Abends gabs dann viel zu erzählen und sogar einige Fotos konnten ausgetauscht werden.

Doch auch Wolga-deutsche Dörfer standen auf unserer Zuteilung. Und so verbrachten wir auch 2 Halbtage auf Wolgadeutsch.


25.6.13 14:06

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