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Ushuaia - Das ENDE der Welt

Meine Freundin Sabrina (aus Buenos Aires) liebt die Kühle und ergreift jedes Jahr die Flucht vor dem schwülen Sommer in der Großstadt. – der Schnee in Europa hätte sich angeboten, aber die argentinische Präsidentin (von allen nur „Christina“) genannt, hat die Reisen ins Ausland für Argentinier ziemlich erschwert, denn diese können nur in geringem Umfang Dollars und andere Währungen kaufen, und nur, wenn sie alle möglichen Unterlagen vorweisen. Zudem hat die Regierung im Land den Wert des Pesos so gehoben, dass der Dollar im offfiziellen Kauf unerschwinglich ist. Das hat den Schwarzmarktpreis („Dollar Blue“) natürlich ziemlich in die Höhe getrieben – und leider auch die Reisepreise im Inland (denn nun wird im „Inland“ gereist)! Unser Ziel war Ushuaia - „Hauptstadt von Tierra del Fuego (Feuerland)“, ca. 2300 km südlich von Buenos Aires und somit das geografische Zentrum Argentiniens! Tja, ich hab das vorher auch nicht gewusst… aber da zu Argentinien auch ein „Torteneck“ der Antarktis gehört, wird es wohl stimmen.

3 Monate suchte ich nach einem günstigen Flug, doch das billigste Angebot für „Nichtargentinier“ war immer noch doppelt so teuer wie der Flug zum Kongress nach Paraguay – das war ein „saurer Apfel“!

Doch farbenprächtige Lupinen, Sonnenschein und saubere Luft, schneebedeckte Berge und eine tolle Zimmer-Aussicht über die Stadt und den See haben uns entlohnt! Nachdem wir uns bei der Touristeninfo schlau gemacht und die Matratzen  eingelegen hatten, stand unsere 5-Tages-Planung fest. Zuerst eine Schifffahrt durch den Kanal von Beagle zum Leuchtturm „am Ende der Welt“ mit Inselwanderung. - in Ushuaia kann man an einem Tag 4 Jahreszeiten erleben -  als wir die Schiffsfahrt machten, war allerdings vom „Sommer“ nicht viel dabei. Dafür wurde bei unserer einsamen Wanderung durch den Nationalpark der anfängliche Nieselregen durch strahlenden Sonnenschein ersetzt – und meine dicke Windjacke mit Schal und Kapuze durch ein kurzärmliges T-Shirt. In der Jausen-Pause schien die Sonne auf den Bauch und die Libellen umschwirrten uns. Die nachtaktiven Biber sind hier wegen der Kürze der Nächte auch „tagaktiv“ und so kann man sie gut beobachten. Die Wanderung dorthin ging über weichen, schmatzenden Torf-Boden und endete mit gutem Asado in einer urigen Waldhütte. In dem früheren Gefängnis, das inzwischen zu einem Museum  umgestaltet wurde, informierten wir uns darüber, dass Ushuaia anfangs so etwas wie eine „Strafkolonie“ war, die Ureinwohner (wie überall) fast ausgerottet wurden, der Bezeichnungen „Patagonien“, „Feuerland“ und „Pazifik“ von Magellan erfunden wurden und der Leuchtturm vom „Ende der Welt“ eigentlich gar nicht der südlichste ist. In der südlichsten Versammlung der Welt lernten wir Silvia und ihre Tochter kennen, die mit uns am letzten Tag noch nach Tolhuin fuhren und uns ihre Lieblingsplätze zeigten – glasklare Seen, in denen sich die Wälder spiegeln und menschenleere Kiesstrände… Abends gings dann doch zu gegrilltem Fisch und nicht in eines der unzähligen netten Kaffeehäuser, denn obwohl Schokoladen und Pralinen hier DIE Touristenattraktion sind, fehlt in Argentinien eindeutig der Geschmack guter LINDT-Schokolade…


25.6.13 13:59, kommentieren

Deutsche Kongresse in Paraguay

Den Bezirkskongress im September besuchte ich von Blumenau aus. Ich brauchte zwar nur einmal umzusteigen, aber die Busfahrt war trotzdem eine Weltreise. Nach den Federn in meinem Sitz zu beurteilen, hat der Bus diese Reise auch schon ziemlich oft gemacht… und ich konnte sogar direkt vor dem Hotel LIZ aussteigen. (das LIZ ist inzwischen schon weltbekannt, weil dort alle übernachten, die nicht gerade einen Platz im Matratzenlager bei irgendeinem Bruder oder einer Schwester ergattert haben)

Das Programm war wie immer begeisternd und die Veranschaulichungen wurden uns mit diversem Schaumaterial noch klarer vor Augen geführt. Zu den 350 Anwesenden zählten auch Brüder aus Chile, Argentinien und Bolivien und da die Mennoniten aus Bolivien noch neu waren, wurde das Programm für sie spontan auf  Plattdeutsch übersetzt. Bei den Brüdern mit den Massen-Lagerstätten gabs dann abends auch noch gemeinsames Grillen, Plaudern, Tanzen und natürlich konnte man nebenbei noch die typischen Lederhüllen und Ledertaschen einkaufen. Am Montag gabs noch extra eine Nachkongress-Party für die Mennoniten aus Bolivien, die eine 2-3tägige Rückreise mit dem Bus vor sich hatten. 5 davon waren Interessierte, die das erste Mal einen Kongress miterlebten und ganz begeistert waren.

 


Zum Tagessonderkongress im Jänner konnten leider nicht so viele Brüder nach Paraguay kommen. Für viele ist eine solche Reise nur einmal pro Jahr finanzierbar. Die Brüder aus Chile, Bariloche und Buenos Aires mussten ja mit dem Flugzeug anreisen und seit die argentinische Regierung die Grenzen für ausländische Produkte geschlossen hat, sind die Fahrtkosten gewaltig gestiegen und es können keine Fremdwährungen mehr gekauft werden. Auch die argentinischen Bankomatkarten funktionieren im Ausland nicht…

So waren es nur 320 Anwesende.

Wir (wir Mädls und Carmine) reisten gemeinsam mit dem Zug über Nacht von Coronel Suarez nach Buenos Aires. Wir hatten zwar in der Luxusklasse gebucht, aber konnten die ganze Nacht kein Auge zutun, weil wir vergeblich den Luxus suchten… Carmine hat unsere Flugtickets von BsAs nach Asuncion gebucht. Offenbar liebt er Nachtflüge!? So konnten wir den kommenden Tag noch bei der Familie Giacobbo aus der deutschen Versammlung in Buenos Aires verbringen. – Christina und Elisabeth waren selig, denn sie durften dort das Klavier benutzen – wir anderen benutzen eher die Matratzen für eine ausgiebige Siesta. Um 2 Uhr früh ging unser Flug, um 4 Uhr erwarteten uns bereits 2 vorbestellte Taxis. Der Portier unseres Hotels war zwar nicht sehr glücklich, so früh rausgeläutet zu werden, aber er fand dann doch erstaunlich schnell unsere Zimmerschlüssel. Das 3-Bett-Zimmer, das ich mir mit Lydia und Damaris (aus Missiones) teilte, war sehr geräumig und erst das Bad!!!! Der nächste Tag war dem Shoppen in der Stadt gewidmet… Armbänder, bunte Taschen, Mate-Kannen … ich blieb allerdings beim Schauen….

Das Programm am Sonntag war wie immer ein Genuss, mit vielen Veranschaulichungen und Anregungen. Viel zu kurz waren auch die Pausen, viel zu viele Freunde galt es zu begrüßen und Erfahrungen auszutauschen. Wie erfreulich war deshalb die Aussicht auf ein gemeinsames „Fest“, das für Montag in einem nahegelegenen Park geplant war - mit Fischteichen, Spazierwegen, Swimmingpool und Sportplätzen. Dort verbrachten wir trotz Hitze einen entspannten, unterhaltsamen und lustigen Tag. Für Mittag war ein gutes Buffet organisiert und danach gabs ein paar lustige Tanz-Einlagen, als Verabschiedung für eine Familie, die nach 5 Jahren Paraguay wieder nach Deutschland zurückkehren musste. Inzwischen ist Österreich hier in Südamerika schon ziemlich gut vertreten und so gabs auch eine Menge neue „alte Gesichter“ zum Plaudern. Doch auch dieser Tag musste irgendwann zu Ende gehen und die Heimfahrt – mit Flugzeug und Bus wurde angetreten. Die Wartezeit in Buenos Aires überbrückten wir mit Carlos Gardel (dem großen Musiker, der den Tango weltberühmt machte) Er persönlich ist ja schon seit 80 Jahren tot, aber sein Museum gibt’s noch immer – mit Originalmusik! Dass sich das Museum direkt neben dem Abasto-Markt (einem tollen Einkaufszentrum) befindet, hat die Frage, was man mit dem Rest des Tages anfangen sollte, schlagartig gelöst. ;-)

Die kommende Nacht im Reisebus schliefen wir dann so gut, dass Coronel Suárez beinahe unbeachtet an uns vorbeigezogen wäre…


25.6.13 13:57, kommentieren

Wie ist so der Predigtdienst?

So ganz hab ich es noch nicht durchschaut, aber offenbar haben wir hier Narrenfreiheit – wir dürfen allen predigen ;-) ob deutsch oder spanisch… naja, die deutschen Adressen sollten wir zumindest sammeln und weitergeben… grundsätzlich gibt’s immer Treffpunkte und man geht gemeinsam in ein Gebiet, wo dann gruppenweise Zeugnis gegeben wird. Ein paar seilen sich jeweils ab, weil sie ihre RBs machen möchten… so bin ich auch schon zu meinem ersten Studium gekommen: Maria de los Angeles hat früher den Katechismus unterrichtet und „plaudert ganz gut deitsch“, aber lesen tut sie auf Spanisch. Nach dem 2. Besuch hatte sie das Antworttraktat schon selbst durchgearbeitet, doch ein Bibelbuch (Timotheus) fand sie nicht. … Sie hat im Inhaltsverzeichnis ihrer Bibel nachgeschaut und nicht bemerkt, dass sie im Alten Testament suchte.  …  Diese Woche hatte sie Gäste (ihr Sohn hatte 19 Geburtstag und da lässt sich die ganze Verwandtschaft blicken), doch die „andr Woch kennt ihr wiedr kumma, da will ich eich attendiera! – Abr nach 5 Uhr, porque vorher luur ich meine Novelas!“ (da laufen offenbar 4 Telenovelas …)

Ein paar „Deutsch-deutsche“ gibt es hier auch. Einen Herrn (Alberto) mit 84 trafen wir im Autozubehör-Shop, wo Carmine einen Rückbesuch hat. Alberto ist Sohn eines Lutheraner-Pastors – und gehört somit auch einer „Minderheitsreligion“ an ;-)  … Vorgestern besuchten wir ihn zu Hause. Er unterbrach sein Kochen und zeigte uns seine Werkstatt, wo er hölzerne Kinderstühle und kleine Spinnräder bastelt und sein Haus, wo wir einen selbstgemachten Rhabarber-Kuchen probieren durften. Ein deutsches „Was lehrt …“-Buch nahm er gern an und wir versprachen, nächstes Mal NACH der Siesta vorbeizuschauen!

Manchmal werden auch Außengebiete bearbeitet, wie zum Beispiel der Ort San Miguel Arcángel, der 140 km entfernt liegt und nicht bearbeitet wird, weil sich die zwei angrenzenden Versammlung nicht einig sind, wo der Ort nun dazugehört. Und da es dort sowieso so viele Deutsche gibt, freuen wir uns darüber! Nach einem kurzen Treffpunkt gings vorletzten Samstag mit 3 Autos noch vor 7 Uhr früh los – immerhin sollten die letzten 40 km „Erdstrasse“ sein, wo man um der Stoßdämpfer willen nicht so rasen sollte!  Nach einigen geräuschvollen Rumplern kamen wir dann heil an. Der Ort ist von ehemals 2000 Einwohnern auf 500 geschrumpft, doch diese haben ZEIT… Ein Mann meinte, wir könnten für ein Minütchen in die kühl klimatisierte Stube kommen und nach eine Stunde, einer Erfrischung, einigen Keksen und einige Zeitschriften leichter rissen wir uns dann endlich wieder los, mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen…

Einige wichtige Wörter, die ich schon gelernt habe:

Wolgadeutsch

Hochdeutsch

Strohsack

Matratze

Tretwagen

Fahrrad

charmant

sehr

lura

hören

weisa

zeigen

scharf

schnell

marodig

müde

der Herrgott

Gott

Freind

Verwandte

Nuschnik

Plumpsklo


25.6.13 13:52, kommentieren

Coronel Suárez

Ich hatte mich ja schon in Coronel Suárez angekündigt – eine Stadt 6 Busstunden südlich von Buenos Aires mit ca. 40.000 Einwohnern und 3 Kolonien, in denen größtenteils wolgadeutsch gesprochen wird (in jeder Kolonie ein bisschen anders).

Mein Bett kannte ich ja schon, als Anlaufstelle für Fragen und Hilfen aller Art stellten sich die Diels heraus, die bei uns ums Eck wohnen und die Gastfreundschaft der Brüder bewirkte,  dass wir unsere Wohnung nur als Abstellkammer verwendeten. Die zwei Mini-Hunde, die vorübergehend unseren Garten als Toilette verwendeten, wären zwar gern hier eingezogen, aber das konnten wir doch verhindern. Wäre nicht die Sandstraße vor dem Haus und der ständige (angenehme) Wind, so müsste hier nicht einmal geputzt werden.

Doch eine Woche später war alles anders. Matratzen wurden gerichtet und Ordnung in unser Chaos gebracht, so dass die 3 „Mädls“ aus Luxemburg (Zelinda+Joana) und Deutschland (Christina) Platz fanden. Die Bett- und Badekoordination ging ja schnell, aber dass es nur einen Internet-Anschluss gibt, macht uns bis heute zu schaffen. Inzwischen haben wir auch einen zweiten Kochtopf und eine Wäscheleine. Wir sind auch schon Profis im Klo-Verstopfung-beheben und in der Stockbetten-Montage. Der Vermieter hat uns auch ein paar Regale versprochen, aber inzwischen dienen 2 Schnüre von der Decke und ein Besenstiel dem gleichen Zweck! Liebe Brüder haben sich unseres „Urwalds“ erbarmt und nun wird unser Nachbar regelmäßig mit Kuchen bestochen, um das Gras weiterhin kurz zu halten. 3 Fahrräder (ohne Bremsen) und ein Moto (mit Start-„Mucken“) bringen uns zur Versammlung oder zum Treffpunkt, aber dann geht’s auf der Ladefläche eines Pick-ups ins Gebiet. Mit der richtigen Geschwindigkeit wird man dabei bei Regen nicht einmal nass!

Das WG-Leben (Christina und ich teilen uns ein Schlafzimmer und im anderen schlafen Elisabeth, Zelinda und Joana) ist für uns alle ein neues Experiment und so haben wir vorläufig den Freitag als unseren Koch-, Putz- und Besprechungstag festgelegt.

Vor ein paar Wochen habe ich auch einen Ausflug nach Saladillo unternommen. Dort waren ja ein Großteil meiner Sachen deponiert. Sicherlich wunderte sich der Busfahrer, warum jemand mit leerem Koffer reist. Als ich dann eine Nacht später mit einem vollgepackten Koffer den Heimweg antrat, wunderte sich derselbe Busfahrer wahrscheinlich noch mehr. Jedenfalls bin ich jetzt wieder in Besitz meines Moskitonetzes, das wir in einer nicht ganz fachmännischen Weise über meinem Bett montierten… die nächtlichen Besuche dieser kleinen Biester sind nun vorbei, juchhee!!!

Die Versammlung beherbergt neben unserer deutschen Gruppe auch noch die Gehörlosen, und da es nur einen Nebenraum gibt, haben wir das Versammlungsbibelstudium immer VOR der spanischen Zusammenkunft. Wenn auch noch (2x im Monat) die theokratische Schule auf Deutsch ist, dann im nahe gelegenen Wohnzimmer von Daniel - und für die 2. Stunde wird in den Saal gewechselt. Da die Brüder vor Ort nie auf Deutsch lesen gelernt haben, kommt ihnen der „Deutschkurs“ Dienstag abends sehr zu Hilfe. Da wird zumindest das Anfangslied für den Freitag geübt und einige Male gesungen. So hält sich der Katzenjammer im Nebenraum in Grenzen ;-)

Von der Versammlung wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Der Koordinator hat extra einen ganzen Nachmittag unsere Namen geübt, um uns von der Bühne aus alle persönlich begrüßen zu können. Abends tauchte er dann nochmals mit einer extragroßen Packung Eis  zum Einstand auf.  …

Aus welchen Brüdern sich unsere Gruppe nun genau zusammensetzt, ist mir noch nicht ganz klar, denn da gibt’s noch einige in der Versammlung, die deutsch plaudern und manchmal mit in den deutschen Dienst gehen… Jedenfalls haben wir Carmine aus der Schweiz! Der ist schon zum zweiten Mal da, kennt sich gut aus, spricht inzwischen super Wolga-Deutsch, managt die Gebiete und managt derzeit auch noch uns… Roberto ist unser Gruppen-Ältester. Er spricht vor und nach dem Treffpunkt deutsch mit uns, aber den Treffpunkt selbst leitet er auf Spanisch. Warum? „Ach - das geht doch viel schneller!!!“ – Leider hab ich manchmal so „Aussetzer“, wo ich auf einmal gar kein spanisch mehr verstehe, dann gehts auf einmal eh auch auf Deutsch ;-) und seine Frau Jorgelina kann ihm ja soufflieren.  Dann gibt’s noch Alizia und Hugo (die beide sehr gut Wolgadeutsch sprechen), Daniel und sein Sohn Gaston (der grad in Ezeiza beim Kongress-Saal mit baut), Fermin (der Wolgadeutsch kann, sich aber nicht so richtig traut), Sonja (deren Mutter deutsch spricht), Mabel (die mit Deutsch grad ein bisschen pausiert), Nilda und Manuel (der erst deutsch lernt aber super Gitarre spielt), Barbie (die schon super Deutsch gelernt hat) und Magdalena (bei der immer der „Deutschkurs“ stattfindet). Der Altersschnitt dürfte so ca. bei 60 liegen, aber das ist genau passend für unser Gebiet ;-)

… Vor 2 Wochen bogen sich im Garten eines netten Ehepaars gerade die Äste des Zwetschenbaums und so kam mein Obstkuchen-Rezept in letzter Zeit stark  zum Einsatz ;-)  Auch sonst hatte der Garten viele Fotomotive zu bieten…


1 Kommentar 25.6.13 13:48, kommentieren

und weiter geht die Rundreise ...

Doch mich zog es weiter! Nach einer kurzen Nacht sollte ich mich mit Wenderoths treffen, um gemeinsam zum Treffpunkt in Villa Ballester (Buenos Aires) zu fahren. Hier unterschätzt man die Fahrstrecken ständig und so kam ich viel zu spät – und trotzdem noch pünktlich zum Treffpunkt, nämlich gleichzeitig mit den „Einheimischen“, die nicht mitbekommen hatten, dass der TP eigentlich wegen Hitze um 30 min vorverlegt worden wäre… Viel zu schnell verging die Zeit mit Predigtdienst, Versammlungsbesuch und einem guten Glas Wein abends bei Noemi in kleiner Runde….

Weihnachten ist Reisezeit, und so hab ich nur mehr mit knapper Not einen Platz im Bus zu meinem nächsten Ziel – Crespo – ergattert. Bei Ingrid Gräfenstein hatte ich sogar ein eigenes Zimmer (wenn nicht gerade ihr Hund Besitzansprüche stellte).  Sie ist erst vor kurzem von Buenos Aires hierher übersiedelt und so montierten wir zwischen Predigtdiensten und Siestas noch schnell ein paar Regale, Haken und Bilder…

Es hat sich viel getan, seit ich das letzte Mal (im August 2010) in Crespo war! Aus der deutschen Gruppe ist inzwischen eine Versammlung geworden, es gibt neue Verkündiger, neue Städte werden bearbeitet und der Eifer ist noch größer geworden! Zu unserer aller Begeisterung wurde inzwischen auch bekanntgegeben, dass in Crespo der erste deutsche Tagessonderkongress in Argentinien stattfinden wird :-) am 21.7.2013, eine Woche nach meinem Rückflug ;-(

Eine Familie, mit der ich vor 2 Jahren zu studieren beginnen konnte, besucht nun regelmäßig die Zusammenkünfte, obwohl sie weit draußen wohnen. Meist sind sie bei den letzten, die den Saal verlassen. Als wir sie am Land besuchten, liefen im Hintergrund die neuen Königreichsmelodien, die Lucia liebend gern singt, und die Eltern erzählten uns voll Stolz nette Anekdoten von ihrem 7jähriger Sohn, der unbedingt will, dass der Papa nach dem Schlachten das Blut „mit Staub zudeckt“, der meint: „Kukuruz vom Nachbarsfeld pflücken? -Das ist doch stehlen?“ und der die müde Mama mit dem Argument von 5. Mose 6:7 überreden will, ihm vor der Siesta doch noch eine biblische Geschichte vorzulesen…

So verging die Woche wie im Fluge! Aber einige meiner ehemaligen Studien konnte ich doch besuchen - einige Einladungen mussten aufs nächste Mal verschoben werden – die Zeit verging viel zu schnell! - genauso, wie die Fahrt zu meinem nächsten Ziel! Die 4 Stunden erschienen mir wie ein „Katzensprung“! Hier in Rosario erwartete mich ein „full-4 days-special-adventure-pack“ bei Candi+Gustavo, die im Sommer in Österreich waren - die Armen wurden von mir durch ganz Salzburg geschleppt und nun kam die Revanche ;-) … doch die Stadtbesichtigung wurde (leider) wegen Hitze auf ein Minimum reduziert ;-) … Die Unterbringung bei Gustavos Eltern hatte Blick auf den Hauptplatz und war wie eine 7-Sterne-Rundum-Verwöhnung – die Seife hatte Duft,  das Handtuch Stickereien und am Nachtkästchen gab´s Stadtprospekte! Das „Einstandsfest“ der neugegründeten englischen Gruppe hatte wohl zu lange gedauert, so konnte ich das Frühstück bei anregender Unterhaltung gar nicht genug genießen… schon hieß es: Zusammenpacken! Raus aus der Stadt! Zu Oma ans Pool! - dort war es einfach herrlich! 2 erholsame Tage in netter Gemeinschaft mit Wasserball und Krötenjagd, ausgiebigere Siesta und Candle-Light-Dinner! Ich war danach so erfrischt, dass mir sogar der ganztägige Stadtspaziergang durch Rosario nichts anhaben konnte. – Naja, vielleicht waren ja auch das super-leckere Eis, das Molleja-Sandwich und das Spezial-Asado eine Hilfe dabei – und all die schönen, alten Gebäude, die es zu fotografieren galt! … so dass ich fast meinen Bus verpasst hätte, der mich nach Coronel Suárez – meiner neuen Zuteilung – bringen sollte!


25.6.13 13:42, kommentieren

Argentinien-Rundreise ...

… Bariloche war ja vorerst noch nicht mein Endziel in Argentinien. Eigentlich reiste ich ja noch ziemlich „ziellos“ umher, denn ich wollte einen Stopp im Bethel einlegen, um dort in der Dienstabteilung nachzufragen, wo ich am besten helfen könnte.

Nach einer Luxusbus-Nachtfahrt von Bariloche und einer „Irrfahrt“ in Buenos Aires kam ich dann um einige Pesos leichter (Taxifahren ist auch nicht mehr billig) endlich im Bethel an und wurde dort sehr herzlich aufgenommen. Das Gästezimmer kannte ich schon von vor 2 Jahren, allerdings drang diesmal der unwiderstehliche Duft von Malerfarbe durch alle Ritzen – die Instandhaltung sorgt derzeit dafür, dass die Reinigungs-Schwestern in  Schwung bleiben… Die „Büroschwestern“ bevorzugen die GUTE Luft von BUENOS Aires abends zum Walken. Als Belohnung: Pizza-Party und die sorgsam gehütete „Spätlese“ vom obersten Regal…

Am nächsten Tag machte ich voller Zuversicht eine Bethel-Führung, doch die erhoffte Zuteilung blieb aus - der für das fremdsprachige Gebiet zuständige Bruder war gerade auf Reisen… So ging´s am nächsten Tag „unverrichteter“ Dinge weiter. Ich wurde (mit all meinem Gepäck) in den Bus gesetzt, um eine Stunde später bei der Endstation mit Maria-Clara zusammenzutreffen. Gemeinsam ging´s dann nochmals 2 Stunden weiter nach Pontevedra – einem (nicht ganz hübschen) Außenbezirk von Buenos Aires, in dem sie und Horacio sich nach dem Ausscheiden aus dem Kreisdienst niedergelassen haben. Meine Koffer schleppte ich über Stock und Stein (und durch manches Matsch-Loch) zu ihrem hübschen Mini-Häuschen. Aber es zahlte sich aus: Der Predigtdienst hier ist wunderschön und ich freute mich sehr bei einigen von Maria-Claras 15(!) Studien dabei sein zu dürfen. (ihr Mann hat übrigens auch nochmals 11 Studien). Abends gab´s dann für eine Pionierschwester noch eine Abschiedsparty, mit heißen und kalten Pizzastücken, dick mit Käse belegt – und die Kinder sangen die neuen KRS-Lieder, „kreativ mehrstimmig“ ;-)

Übrigens: Wer sein spanisch anwenden will, hätte hier ein super Predigtgebiet!


 


25.6.13 13:41, kommentieren

Einladungen und Versammlungspartys

Gastfreundlich zu sein ist in Südamerika viel einfacher… Es muss nicht alles schon vorbereitet und fertig sein, wenn die Gäste eintreffen. Auch eine einfache Mahlzeit genügt. Gekocht und abgewaschen wird gemeinsam… und dabei wird geplaudert. Es macht auch gar nichts, wenn man als Gast nicht pünktlich ist. Mit dem Kochen wird sowieso erst begonnen, wenn genügend Leute da sind.

„Feijoada“ ist das brasilianische Nationalgericht: das sind Bohnen mit viel Fleisch. Je mehr Fett noch dran ist, desto beliebter. Dazu gibt’s geröstetes Maismehl mit Speck – den Namen hab ich vergessen- und Weißbrot. Das zweithäufigste Essen ist „Cachorro quente“ (sprich: Kaschohhho kentschi und bedeutet „heißer Hund“, also Hot Dog). Allerdings darf man sich da keinen „österreichischen Hotdog“ vom Würstlstand vorstellen! In Brasilien geht das so: Man nimmt sich einfach ein weißes Weckerl, füllt es zuerst mal mit viel Mayonnaise, Senf und/oder Ketchup, danach kommt ein kleines rotes, gekochtes Würstchen rein, dann noch „Sauerkraut“ oder Letscho und zu guter Letzt noch Minifrites (die die Sauce aufsaugen sollen?). Wenn man dann noch den Mund weit genug aufbekommt, kann das Essen losgehen. Uns „Deutschen“ wird grundsätzlich immer Bier dazu serviert, da wir ja alle Biertrinker sind ;-o – wusste ich gar nicht …. Aber man kann auch Cola oder Sprite haben. Manchmal hat man Glück und es gibt auch gefiltertes Wasser! – frisch aus dem Kühlschrank.

Manchmal gibt’s aber auch Caipirinha (LECKER!!! Erklärung für die Unwissenden: geviertelte Limone wird mit Eiswürfeln und viel Zucker zerstoßen und das Glas dann mit Cachaça, also Zuckerrohrschnaps, aufgefüllt). Damit man davon nicht zu viel bekommt, gibt’s nur ein Glas mit einem Strohhalm für alle, das herumgereicht wird. (manchmal geht sich dabei sogar ein 2. Durchgang aus…)

Die Argentinier stehen bei Einladungen eher auf Pizza. So eine Einladung kann ganz spontan sein, dann geht man halt mit den Gästen noch schnell einkaufen. Dank der flexiblen Öffnungszeiten, kann das auch nach der Versammlung noch sein.

Den Boden kauft man schon fertig, erhitzt ihn etwas und belegt ihn dann nach Belieben mit Tomatensauce oder Tomatenscheiben, Zwiebel und manchmal auch mit Schinken. Zum Schluss kommt Käse darüber – viel Käse! (etwas was  hier Mozzarella genannt wird und irgendwo zwischen Gouda, Butterkäse und purer Butter angesiedelt ist) Dass dazu auch grünen Salat passt, ruft immer wieder Überraschung hervor ;-) Die heiße Pizza kommt mitten auf den Tisch. Jeder bekommt ein Stück Küchenrolle und los geht’s!! Gegessen wird mit den Fingern – das spart viel Geschirr und so sind die Gastgeber genauso relaxt wie die Gäste und jeder kann es genießen!


 


25.6.13 13:33, kommentieren